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06.01.2026

Skaterhalle CASA: Denkmal & Wärmeschutz

CASA, das Center for Applied Skateboard Arts, bildet den ersten Bauabschnitt des neuen Actionsportzentrums der Landeshauptstadt München in Pasing – seit seiner Eröffnung 2025 ein Anziehungspunkt weit über die Stadtgrenzen hinaus. Für die neue rund 1.000 m² große Skaterhalle wurde die ehemalige Eggenfabrik nördlich der Bahnlinie zwischen München und Pasing saniert und umgebaut.

Dabei war ein besonders sensibler Umgang mit der denkmalgeschützten Substanz gefragt – eine Aufgabe, die sowohl Behnisch Architekten (Entwurf) als auch Müller-BBM Building Solutions (Bauphysik) und Behringer Beratende Ingenieure (Tragwerksplanung) gleichermaßen forderte.

Der weite, helle Raumeindruck der historischen Halle, geprägt durch das große Tonnendach mit langgestrecktem Oberlicht am First und das filigrane Stahltragwerk von etwa 1913, konnte vollständig erhalten werden. Ein modernes Licht- und Soundsystem sorgt heute für vielfältige Nutzungsmöglichkeiten und passende Atmosphäre.

Die Skaterhalle des Action­sport­zentrums vor und nach ihrem Umbau. Foto vor dem Umbau: Behnisch Architekten, nach dem Umbau: David Matthiessen

Bauphysikalische Herausforderungen

Die wesentlichen Aufgaben der Bauphysik lagen im denkmalgerechten Wärmeschutz, in der Raumakustik sowie in der Auslegung von Raumklima und Tageslicht mithilfe von Whole-Building-Simulationen.

Beim Wärmeschutz musste auf die originalgetreu restaurierten, durch Lisenen und Bänder gegliederten Giebelseiten mit ihrem geschwungenen Ortgang Rücksicht genommen werden. Eine außenliegende Wärmedämmung kam dort nicht infrage. Stattdessen erhielten die massiven Giebelwände aus Vollziegel und Beton eine 50 mm starke Mineralschaum-Innendämmung (U = 0,53 W/m²K) und 20 mm Dämmputz in den Fensterleibungen. Wärmebrückenberechnungen bestätigten den Mindestwärmeschutz.

Minimierte Leibungsdämmung Giebelfassade, Nachweis mittels Wärmebrückenberechnung nach DIN 4108-2 für Standard-Randbedingungen.

An den glatten Längswänden dagegen war die bauphysikalisch günstigere Außendämmung mit 14 cm (Mineralschaum WLG 045, U = 0,20 W/(m²K)) möglich. Um den Übergang zwischen Innen- und Außendämmung wärmebrückenarm auszuführen, wurde eine Überlappung der beiden Dämmsysteme ausgeführt.

Prinzip der Überlappung Innen- und Außendämmsystem (real wurde das Innendämmsystem aus optischen Gründen über die gesamte erste Achse gezogen).

Das historische Gesims wurde durch das mineralische WDVS nachgebildet, der Übergang ist wärmebrückenminimiert.

Das historische Tonnendach aus dünnwandigen Betonfertigteilen konnte tragwerksplanerisch nicht nachgewiesen werden und wurde durch eine optisch ähnliche Kassettenkonstruktion aus Holz ersetzt. Diese ermöglichte sowohl eine zusätzliche Dämmschicht als auch ein doppelt verglastes Oberlicht mit integrierter Photovoltaik. Die filigranen Stahlbinder konnten nach wenigen punktuellen Verstärkungen erhalten bleiben.

Die Bodenplatte blieb ungedämmt. Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung unter Verwendung der Berechnungsmethodik nach DIN 18599 und des thermischen Leitwerts gemäß EN ISO 13370 für den Wärmetransfer über das Erdreich hat ergeben, dass eine verbesserte Dämmung der Bodenplatte nur einen um ca. 3 % verminderten Endenergiebedarf der Halle bewirken würde. Daher wäre eine Erneuerung der Bodenplatte unwirtschaftlich gewesen. Stattdessen wurde, wo möglich, eine 75 cm tiefe Perimeterdämmung gegen Erdreich eingebaut.

Natürliches Klimakonzept

Um Investitions- und Betriebskosten gering zu halten, sollte die technische Gebäudeausrüstung auf das Wesentliche reduziert werden. Das sprach für ein natürliches Lüftungskonzept, das Müller-BBM mit thermischen Simulationen (IDA ICE) optimierte.

Das Ergebnis ist ein maßgeschneidertes Raumklimakonzept mit automatisierten Zuluftöffnungen im Erdgeschoss und Abluftklappen im Oberlicht, welche über die gute Thermik eine gute Raumluftqualität und insbesondere in Hitzeperioden die Möglichkeit der Nachtauskühlung gewährleisten.

Frischluftzuluft über automatisch geregelte Öffnungen im EG, Abluft über das Oberlicht sowie Beheizung über Deckenstrahlplatten.

Die Simulationen zeigen:

Eine Kühlung über Deckenstrahlplatten ist für Großveranstaltungen vorgerüstet und kann mit dem geplanten zweiten Bauabschnitt aktiviert werden.

Tageslicht und Photovoltaik

Foto: David Matthiessen

Eine Besonderheit ist das zentrale semitransparente Oberlicht mit integrierten PV-Zellen (24 kWp). Es so ausgelegt, dass es sowohl ausreichend Tageslicht als auch sommerlichen Wärmeschutz bietet. Zielwerte aus den Simulationen:

Damit wird eine helle, blendfreie Raumatmosphäre erreicht, ohne dass eine kostenintensive Verschattung erforderlich ist.

Akustik mit Fingerspitzengefühl

Auch akustisch war Feingefühl gefragt: Die lauten Roll- und Aufprallgeräusche der Skater mussten bedämpft werden, ohne den historischen Raumeindruck zu beeinträchtigen.

In die Kassettendecken wurden Holzwolle-Akustikplatten mit Mineralwolldämmung (αw ≈ 0,70) eingelegt, die Deckenstrahlplatten durch Perforation und schallabsorbierende Hinterfüllung (αw ≈ 0,50) aktiviert und die Sitznischen mit Akustikplatten (αw ≈ 0,70) ausgekleidet.
So konnte der Zielwert von TSoll = 2,0 s ± 20 % rechnerisch weitgehend eingehalten werden.

Ausgezeichnetes Gesamtkonzept

Für sein ganzheitliches und zugleich denkmalgerechtes Konzept wurde das Projekt mit dem Preis „KlimaKulturKompetenz“ ausgezeichnet, erhielt den DNA Paris Design Award 2025 und ist für den DAM Preis 2026 nominiert.

Ein Beitrag von Christoph Rein, Beratungsingenieur Müller-BBM Building Solutions GmbH,
erschienen in der Bauphysik 47 (2025), Heft 6, A15 sowie auf bauingenieur24.de