Am 19. & 20.11. fand in der STATION Berlin das 4. Klimafestival für die Bauwende statt – zwei Tage voller Impulse zu nachhaltigem Bauen, zukunftsfähigen Materialien und Strategien zur Reduktion der Auswirkungen der Klimakrise. Unter dem Motto „Gemeinsam verändern wir die Bauwirtschaft. Nachhaltig.“ bot das Festival über 100 Vorträge, Keynotes und Diskussionsrunden. Unser Fachbereich Nachhaltigkeit – vertreten durch unsere DGNB-Auditoren Andreas Welz, Matija Horvacki und Maximilian Mayr – war vor Ort und nahm zahlreiche Anregungen für unsere Arbeit mit.
Ein zentrales Thema des Festivals war die Frage, wie der Bausektor aktiv CO₂ binden kann. Mit biogenen Baustoffen und Holzbau lässt sich CO₂ nicht nur reduzieren, sondern aktiv einlagern. Anbieter wie Openly und myclimate zeigen, wie sich diese Einlagerung sogar monetarisieren lässt – aktuell mit rund 85 € pro Tonne CO₂. In Kombination mit DGNB-Zertifizierungen eröffnet das neue Perspektiven für Bauherren und Investoren.
Der Verein BiB – Bauen im Bestand stellte praxisnahe Werkzeuge vor: Tabellen, Vorlagen und Entscheidungsgrundlagen, die Planer*innen und Bauherren helfen, den Bestand realistisch zu bewerten. Die Botschaft war deutlich: Abriss muss kritischer hinterfragt werden und ist selten notwendig.
Die im Bestand gebundene graue Energie ist ein enormer Vorteil gegenüber Neubauten. In Kombination mit sinnvoller Sanierung lassen sich so die Klimaschutzziele im Bausektor schneller, wirtschaftlicher und ressourcensparend erreichen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf kreislauffähigen Lösungen für den Innenraum. Besonders eindrücklich waren Akustikpaneele aus Dinkelspelzen von PREFORM, die durch ihre natürliche Schallabsorption überzeugen und gleichzeitig Cradle-to-Cradle-zertifiziert sind.
Geklammerte Stoffbezüge, die wiederverwendet oder als sortenreine Materialströme zurückgeführt werden können, zeigten, wie konsequent manche Hersteller inzwischen in Kreisläufen denken.
Lehm war eines der großen Themen des Festivals. Tragendes Lehmsteinmauerwerkse im Dünnbettverfahren ermöglicht wirtschaftliche Bauweisen bis GK 5. Das Forschungshaus Nummer 4 von Florian Nagler Architekten in Bad Aibling und der GEMA-Verwaltungsbau sind beeindruckende Beispiele: Dort sorgt die Speicherfähigkeit von Lehm für stabile Innentemperaturen von 23 °C selbst bei 35 °C Außentemperatur – ganz ohne Klimatechnik.
Vielfältige Ansätze zeigten, wie breit nachhaltiges Bauen gedacht wird:
Besonders bereichernd waren die Beiträge von Dr. Myriam Rapior, Dr. Ewa Szymczyk und Jurek Brüggen. Sie machten eindrucksvoll sichtbar, wie eng Biodiversität, städtisches Mikroklima und eine Transformation des Bestands miteinander verknüpft sind. Zukunftsfähige Städte entstehen nicht allein durch energieeffiziente Gebäude, sondern durch ökologische Resilienz, vielfältige Stadtnatur und bauliche Entscheidungen, die diese Prozesse unterstützen und den Mensch in den Fokus rückt.
Das Klimafestival hat deutlich gemacht: Holz ist etabliert, und nachwachsende Rohstoffe wie Stroh und Lehm können folgen, wenn die Branche sie ähnlich selbstverständlich nutzt. CO₂-Bindung wird zu einem messbaren Faktor, und die Synergien zwischen Bauphysik, Klimakomfort, natürlichen Materialien und Zertifizierung werden nutzbar. Ganz zentral bleibt der Blick auf die Bestandsgebäude – und auf die ökologischen Qualitäten unserer Städte.
Für uns war das Festival ein wertvoller Impulsgeber. Viele Themen, die dort diskutiert wurden, begleiten unsere Beratungspraxis bereits heute. Und wir freuen uns darauf, diesen Weg gemeinsam mit unseren Auftraggebern weiterzugehen.



