Im Rahmen der Reihe DGNB-Unterwegs besuchten wir zwei sehr unterschiedliche, aber gleichermaßen interessante Beispiele aktueller Quartiersentwicklung in München: den Prinz-Eugen-Park und das Werksviertel am Ostbahnhof. Der Teilnehmerkreis aus Architektur, Quartiersmanagement, Ingenieurwesen, Stadtplanung und kommunaler Verwaltung bot dabei eine besonders spannende Grundlage für fachlichen Austausch und unterschiedliche Perspektiven auf die Entwicklung urbaner Quartiere.
Aus unserem Fachbereich Nachhaltigkeit waren Levin Kümmerle und Andreas Welz vor Ort. Beide bearbeiten bei Müller-BBM Building Solutions unter anderem DGNB-Zertifizierungen, Ökobilanzen und Gebäuderessourcenpässe.
Gute Quartiere werden früh konzeptionell aufgesetzt. Der Prinz-Eugen-Park ist dabei ein bekanntes Beispiel für nachhaltige Stadtentwicklung. In der ökologischen Mustersiedlung entstanden rund 570 Wohnungen in Holzbauweise, teilweise bis zu sieben Geschosse hoch – die größte zusammenhängende Holzbausiedlung Deutschlands, an deren Entwicklung wir mit bauphysikalischen Leistungen in mehreren Projekten beteiligt waren.
Die Führung durch den Prinz-Eugen-Park übernahm Patric F. C. Meier, Partner bei agmm Architekten + Stadtplaner. Am Beispiel des Baugemeinschaftsprojekts „gemeinsam größer II“, das sein Büro gemeinsam mit Hable Architekten realisierte, wurden unter anderem zentrale Aspekte des mehrgeschossigen Holzbaus erläutert.
Die Besichtigung zeigte, dass gerade im mehrgeschossigen Holzbau bauphysikalische Fragestellungen eine zentrale Rolle spielen. Insbesondere der Schallschutz stellt hier häufig erhöhte Anforderungen an Planung und Detailausbildung. Im Vergleich zu massiven Bauweisen können geringere Flächenmassen sowie konstruktive Besonderheiten des Holzbaus zu komplexeren schalltechnischen Wechselwirkungen führen. Entsprechend wichtig ist eine frühzeitige bauphysikalische Planung im Zusammenspiel mit Architektur und Tragwerkskonzept. Neben dem Schallschutz spielen dabei auch Schwingungsverhalten, Entkopplung von Bauteilen und konstruktive Detailausbildungen eine wichtige Rolle, um Wohnkomfort und akustische Qualität sicherzustellen.
Gleichzeitig zeigte sich, dass viele Nachhaltigkeits- und Komfortaspekte nicht allein auf Gebäudeebene gelöst werden können. Fragen der Freiraumgestaltung, der städtebaulichen Dichte, der Nutzungsmischung sowie der Mobilität werden bereits auf Quartiersebene entschieden und prägen die spätere Nutzungsqualität maßgeblich.
Im Werksviertel stand dagegen die langfristige Entwicklung eines urbanen Quartiers im Fokus. Das heutige Stadtquartier entstand auf einem ehemaligen Industrieareal – der früheren Pfanni-Kartoffelverarbeitung – und entwickelt sich seit einigen Jahren schrittweise zu einem gemischt genutzten Stadtbaustein. Auffällig war, mit welcher Beharrlichkeit Bauherren und Projektverantwortliche das Konzept über Jahre weiterentwickelt haben, ohne die soziale und funktionale Vielfalt zu verlieren. Gleichzeitig zeigt das Quartier, dass urbane Quartiersentwicklung häufig schrittweise entsteht und durch eine Mischung aus Wohnen, Arbeiten, Kultur und Freizeit langfristig Stabilität und Lebendigkeit entwickeln kann.
Geführt wurde die Gruppe hier von Johannes Ernst, Partner bei Steidle Architekten, die maßgeblich an der Entwicklung des Quartiers beteiligt waren und es bis heute begleiten.
Der Austausch vor Ort hat einmal mehr gezeigt, wie stark Stadtplanung, Nachhaltigkeitsstrategien und bauphysikalische Fragestellungen in der Quartiersentwicklung ineinandergreifen. Bei Müller-BBM Building Solutions bearbeiten wir diese Fragestellungen in unterschiedlichen Fachbereichen und begleiten Projekte regelmäßig von der Planung bis zur Umsetzung – ergänzt durch Kompetenzen innerhalb der Müller-BBM Group, etwa bei Müller-BBM Industry Solutions. Hier finden Sie mehr Infos zu unseren Leistungen.
Während der Führung begegneten uns auch die bekannten Schafe auf dem Dach von Werk 3, die sich engagiert um den Bewuchs des Gründachs kümmern.






